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BRM 300 Kiel – Es liegt was in der Luft…

21 03 2016
Bolide

Bolide

 

Spätestens bei der Startaufstellung werde ich – nicht ohne Ehrfurcht – daran erinnert, daß Kiel ja das Reich der Hardcore Randonneure ist:

Fatbike - wahn?

Fatbike – wahn?

 

Klönschnack

Klönschnack mit Stefan Landtau

Dichter, nasser Sprühnebel hängt über der Förde, als wir uns pünktlich um acht in Bewegung setzen, mein kleiner Törn von der Holtenauer hier her hat mich warm genug gemacht, daß ich gleich locker mitrollen kann. Jedenfalls verschwinden nicht gleich alle anderen nach vorn, es formiert sich früh ein Grüppchen, in welchem das Ziel „locker einrollen“ heißt.

Als mich Stefan dann von hinten irgendwann auf seinem RAAM tauglichen Gefährt überholt, mit gefühlt einer Pedalumdrehung, leiste ich keine Gegenwehr, hab ohnehin mehr damit zu tun, mir ständig die Suppe von Brille und Spiegeln zu wischen…

Nebelfeuchte

Nebelfeuchte

Kaum aus dem Kieler Stadtgebiet heraus nimmt die für mich markanteste Erinnerung an diesen Brevet bereits Gestalt an:

Es stinkt nach Gülle.

Ich bin nun auch im Ländlichen aufgewachsen, und das gehört dazu.

Aber hier stinkt es dermaßen, und unaufhörlich, daß du glaubst, der Nebel selbst sei der Gestank.

Gülle auf den Feldern

Gülle auf den Feldern

 

Gülle auf den Straßen

Gülle auf den Straßen

 

Der Preis für den Atomausstieg?

Der Preis für den Atomausstieg?

Ich nehme das nicht mehr als Naturdüngung wahr, sondern als systematische Verklappung von Millionen Hektolitern Gülle nicht nur aus Großmastbetrieben, sondern aus Biogasanlagen, die sieht man hier auch ständig….  steuerlich begünstigt scheißen sie hier die Umwelt zu.

Es brennt in den Augen, auf der Zunge,in der Nase und wenn der Wind auffrischt, trägt er nur Schwaden vom übernächsten Feld heran….

es lichtet sich

es lichtet sich

Schnell wird klar, warum sie hier oben überall Windräder bauen, denn in dem gleichen Maße, wie der Nebel verschwindet, frischt es auf, aber so ist das hier oben nun mal, genau wie der zu antizipierende Track, das kennt man halt…

Es wird ein – bis auf den unaufhörlichen Scheißegestank – herrlicher Tag,

Frühlingsboten

Frühlingsboten

Immobilienanreize

Immobilienanreize

 

Kulturlandschaft

Kulturlandschaft

wobei sich wegen des eisigen Windes meine BarMitts trotzdem als die „Passig“e Entscheidung erweisen.

Für mich ist es schon der 3. Brevet dies Jahr, und, wie für Kiel normal, fahre ich hinten, aber ich rolle gut mit und beobachte eine Anzahl deutlich stärkerer Fahrer, die mit Pannen und Konditionsproblemen zu kämpfen haben. Offen gestanden, hatte ich bei Kieler Brevets noch nie so viele Fahrer um mich herum,  auch den Remscheider Liegeradler, der ziemlich genauso schnell ist, und mir nachts um 23:00 noch den Arsch retten darf…

Während wir unermüdlich durchs auch nicht wirklich platte Schleswig Holstein kurbeln, ab und an ein paar Sätze wechseln,

das is mal´n Selfie

das is mal´n Selfie

Schiffchen fahren und artig unsere Kontrollfragen beantworten (der Fährmann begrüßt mich grinsend mit den Worten „1957“)

der Tag geht...

der Tag geht…

werden die Schatten länger, und in Glückstadt trenn ich dann mal das Garmin vom Nabendynamo, um Licht zu haben. Trotzdem faselt dies Scheißding (Scheiße ist heute irgendwie Thema) ständig von

„Abschalten in 15sek ok?“

Der Remscheider hat sich den Track daheim am PC präzisiert, und ist deutlich sicherer an den Abbiegepunkten als ich,

bis ich mich mal kurz nach vorn absetze, zweimal verhaue und:

wech isser...

wech isser…

Auch egal, fahr ich halt alleine, aber erstaunlicherweise habe ich ihn innerhalb einer Stunde wieder eingeholt, zum Glück:

Schon an der zweiten  Kontrollfrage hat sich mein Garmin Edge aufgehängt, ließ sich aber neu starten.

20km vor Kiel kreuzt sich diese Runde zum Zielkontrollpunkt, und das hatter nich kapiert. Leuchtet fröhlich, reagiert auf keinen Knopfdruck mehr bis am nächsten Morgen Akku leer, und die erste Teilstrecke fehlt in der Trackdarstellung komplett. Danke…

„A Garmin is a nice device to tell you, where you´ve been, but not where to go“

Dieser Satz paßt auch nicht so ganz, Fakt ist, 15km vor Kiel steh ich mit runtergelassenen Hosen in der Nacht.

Schon wieder Scheiße.

Dann kommt der Remscheider angeradelt und führt mich freundlicherweise bis zur Schwentinebrücke, wir fahren dann noch gemeinsam zum Bahnhof, dort trennen wir uns, und ich vergesse wieder mal, ihn nach dem Namen zu fragen….

jedenfalls danke

In meiner Gastunterkunft kann ich, dank whatsApp, auch endlich die ausgestiegene Gastherme aktivieren, und nach einer Bierlänge richtig heiß duschen.

Schwedenkai

Schwedenkai

Ein paar Stunden später stehe ich in der Morgensonne an der Förde, betrachte die großen Schiffe und realisiere, daß genau hier, in Kiel, 2004 eigentlich mein erster Schritt in Richtung Randonneur stattfand, als ich mich einschiffte, um an der Styrkeproven Trondheim – Oslo teilzunehmen.

interessant…

 


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