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Der alte Mann und das „mehr“

9 08 2018

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erster Eindruck: deutlich älter, als er wirkt

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Schon frühmorgens beim Einschreiben für den 200er  fällt er mir auf:

Ein leicht säuerlich riechender älterer Randonneur mit verwaschener Trikotage, einem Titanrad und praktisch keiner Ausrüstung außer eines abgeschabten 500ml Bidons.

Schon nach 20km, als ich mir Windjacke, Beinlinge etc. ausziehe, steht er in der Nähe, und hat mich offensichtlich als Partner auserkoren, was sich nach kurzer Irrfahrt in OLBIA bestätigt, wo er feststellt, daß ich offensichtlich orientierter bin, als die Anderen des Grüppchens, und sich an mich hängt.

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schweißtreibend

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Ich leide auf diesem Brevet zeitweise ziemlich unter der schattenlosen Hitze der herrlichen Costa Smeralda, doch er ist immer in der Nähe. Spricht kein Wort. Lächelt. Abfahrt hinter mir, Anstieg überholt er, immer in Sichtweite.

Manchmal isser weg, nach einiger Zeit wieder da, schweigend, stoisch pedalierend, und so hilft er mir auf den letzten 40km wortlos ins Ziel.

Beim 300er startet er auch wieder:

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Da ist er wieder

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Diesmal bleiben wir gleich zusammen, mit einem Pärchen, und es ist das gleiche Bild:

Schweigend, manchmal lächelnd umkreist er die Gruppe, läßt uns fahren, kommt wieder ran, verschwindet mal.

An einem langen Anstieg steht er da, Reifen platt, nix dabei, fragt nach Flickzeug und Luftpumpe. Zutiefst beschämt, einem so alten Randonneur nicht helfen zu können, weil ich tannus verwende, lasse ich ihn zurück. Nach drei oder vier Stunden kommt er an einer Kontrollstelle wieder angefahren, als wäre nix gewesen.

Spätestens jetzt keimt in mir ein Verdacht…

Wir bringen den Brevet gemeinsam zu Ende, ein Bier lehnt er freundlich ab.

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400er, „orientale sarda“

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heute sogar mit Täschchen….

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Romano, das ist sein Name, ist auch wieder dabei, heute ist alles italienisch nervös, eine große Gruppe brettert davon wie nix Gutes, ich verliere ihn aus den Augen, und bleibe bei Camilla und Paolo, wie verabredet. Es wird ein langer anstrengender Tag über die

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Genna Silana 1017m, zurück nochmal…

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Nachts um 23:00, 30km vor dem Wendepunkt, kommen uns die schnellen Jungs schon satt und ausgeruht entgegengebrettert. Im gleichen Tempo, 100m dahinter, Romano, stoisch pedalierend, schweigend. Als ich gegen 10:30 reinkomme, erklärt Luca, daß der schon lange im Bett sei.

Ich hatte Recht: der will einfach nicht alleine fahren.

Sucht sich wen, und fährt mit.

Tempo egal, er fährt mit.

Mit 68…

              Romano, è stato un onore per me guidare al tuo fianco

 

 


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