Ihr könnt noch für Bondali spenden: PBP 2019

alles dabei…

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Zum ersten Mal war es mir möglich, in Paris teilzunehmen, ohne den einen oder anderen Euro von Sponsoren dazugeschossen zu bekommen.

Was lag da näher, als diesmal Geld zu sammeln und einer guten Sache zuzuführen?

Wasser für Bondali

Es gibt IMMER noch die Möglichkeit, mitzuhelfen!

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morgens um zwei

Nach einer recht gelungenen Generalprobe mit Detlef und Mark zum Brandenburger Tor

und der Gründung einer WhatsAppGruppe zur gegenseitigen Unterstützung( Wir sind insgesamt 5 FahrerInnen aus dem Umkreis von 20km)

machte ich mich mit leichtem Gepäck auf den Weg nach Paris.

Natürlich mit dem Randonneur, um dem Körper schon einmal Bescheid zu geben.

Ich war voller Vorfreude, weil mein Entschluß feststand, diese Traditionsveranstaltung zum letzten Mal zu besuchen, da mir sowohl die Teilnehmerzahl als auch das aufwendige Qualifikationsverfahren zu anstrengend sind.

Auf dem Weg über Münster,Xanten, Diest und St.Quentin/Somme holte ich mir schon ordentlich welliges Gelände und einen unaufhörlichen Wind von vorn ab, den ich nach meiner Ankunft in Rambouillet auf FB kritisierte, was sich rächen sollte…

Am Donnerstag machte ich meinen Selfie am Eiffelturm

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703km…

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und erreichte am flogenden Tage locker rollend mein Traumhäuschen im Grünen, welches ich schon seit einem halben Jahr fest hatte, weil ich mir dachte, wenn es nichts mit der Quali werden sollte, habe ich zumindestens die Radreise nach Paris und trinke dann da eine Woche Bier.

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complet dans le tücht, aber Kühle, Induktionsherd und WLAN

Nun hatte ich allerdings auch eine Startnummer, was Streß versprach…

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Die Übernahme der Startunterlagen sowie die Fahrradkontrolle verliefen recht französich, indes, es schüttete dermaßen, daß ich froh war, Heiners Auto mitnutzen zu können, um nicht schon vorher alle wichtigen Sachen naß zu haben. Sehr gut tat mir, daß immerhin drei europäische Oberrandonneure mich mit Namen und Umarmung begrüßten, somit habe ich wohl auch einiges richtig gemacht.

Oder komplett falsch…  😉

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Das ist Maggie. Sie macht PBP 2019 mit dem Partner quasi als Hochzeitsreise…

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Am 18.8.um 19:30 ging es los, fast auf die Minute, (neu!) und der endlose Regen hatte vor 2h geendet. Wie ich auch den anderen geraten hatte, rollte ich mich zügig ein, und ließ – wie immer – die Raser passieren. Mit den ersten, die in Mortagne die RTW füllten, weil sie sich „die Lichter ausgeschossen“ hatten, spürte ich kein Mitleid.

Villaines La Juhel und Fougeres erreichte ich ruhig kurbelnd und klug pausierend mit einem Schnitt über 15km/h, fühlte mich angestrengt, etwas müde und genervt von dem immer noch strammen Wind von vorn. Dieser, und die ständigen Rampen, gefolgt von rasenden Abfahrten kosteten viele Körner.

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Welle auf Welle

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Nach Fougeres ist die Etappe nur schlapp 50km lang, das ist tückisch.

Die Zeitfenster werden mit einem Schnitt von ca. 12,5km/h errechnet, man macht praktisch immer Zeit gut, welche dann für Pausen und Pannen genutzt wird, dazu werden die Zeiträume nach hinten raus immer weiter gespreizt. Dadurch, daß man hier nur so eine kurze Etappe hat, verschiebt sich das Fenster nach vorn, danach muß man bis Loudeac aber 84km fahren, das Gelände wird extrem wellig und du erwischst die Etappe quasi immer im Dustern.

(Oder du hämmerst das Ding in 44:00h runter, naja, also ich eher nicht…)

Irgendwo vorher hatte ich an einer dieser reizenden Stationen, die von den Fans aufgestellt werden, wo sie dir Kaffee, Kuchen und Suppe schenken, diese Erkenntnis noch einem deutschen Pärchen erläutert, mit dem Zusatz, genau dies habe mir letztes Mal das Genick gebrochen.

Ein paar km später bretterte das Mädel an mir vorbei, ihr Partner legte mir im Überholen noch die Hand auf die Schulter:“ Danke für den Hinweis, wir haben eben mal gerechnet, und jetzt sind wir im Streß…“

In Tinteniac entschied ich, zugunsten eines Kraftnapfes in dieser einladenden Bushaltestelle den einsetzenden Regen auszusitzen, laut Wetter online ca 20min. Gute Idee, es goß wie aus Kübeln.

Dann kamen diese quälenden 85km…

Steil rauf, steil runter und auf der heißen Straße verdampfte der Regen, wärend gleichzeitig die Temperatur begann, ins Bodenlose zu stürzen…

So 10km nach Tinteniac rief mir ein Streckenposten zu:“Premier blabla!“, toll dachte ich, die ersten sind in Brest, ja nee: zwei Minuten später kam mir die Spitzengruppe entgegen!!!

Und nun wurde es richtig doof:

feuchter, schlechter Asphalt

rasende Abfahrten

Nebelbänke

und ständig tauchten aus dem Dustern Tiefseemonster mit einem Dutzend gleißender Augen auf, welche des mir völlig unmöglich machten, zu sehen, wo ich hinfuhr. Nun kannste ja sagen, ok, rechts von denen muß die Straße sein, aber die fahren jetzt 22h am Anschlag, sind die tatsächlich  noch auf der rechten Seite?

Beim Fallschirmspringen habe ich gelernt, daß man ein Risiko genau kalkulieren und jede Fehlerquelle eliminieren muß. Ich kann das hier nicht mehr…

In diesem Teilstück schaff ich den Schnitt nur, wenn ich abfahre wie der Teufel, das kann ich auch, sofern ich was sehe.

Irgendwo in der inzwischen ekligen Kälte saßen Menschen an der Straße, verschenkten Suppe, wärmten und ermutigten mich. Sie sagten auch, bis Loudeac seien es noch „quarante km“. Als mir klar wurde, daß das nicht Vierzehn heißt…

Noch eines kam dazu:

Ich fand mich fahrerisch recht gut unterwegs, also technisch, Müdigkeit ja, aber so wie andere da schon umhereierten fuhr ich nicht. Schneller wäre gut gewesen. Und:

Die Erkenntnis, daß angesichts des stetigen Windes und der Wellen die Kraft nicht reichen wird…

In Loudeac sah mich der Kontrolleur lange an, mit diesem Blick, den ich schon kannte.

+ 3min

Die Temperatur war auf 4°C gefallen, die indischen Randonneure gaben scharenweise auf, später sollte einer von ihnen zu mir sagen: „We heard of a heatwave in Europe, so we thought, we should go. Where is that heatwave? I don´t know temperatures like this.“

Ich hatte dieses watteartige Gefühl mit „Bewußtseinsklicks“ im Frontschädel, war halbblind von dem ständigen Geblende und war irgendwo in der Abfahrt völlig blind auf dem Grasstreifen unterwegs gewesen, keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, da nicht auf die Fresse zu fliegen, sondern wieder auf die Straße zu kommen. Ging ich erstmal pennen.

Als ich eine dreiviertelstunde vor dem Weckdienst vom Zähneklappern meiner Feldbettnachbarn erwachte, war mir eines klar:

Noch so eine Nacht halte ich nicht aus, und wert ist es das auch nicht.

Und nu?

Ganz ehrlich:

Ich bin in Loudeac 7 mal hin und hergefahren, bis ich mich durchgerungen hatte, dem Garmin zum nächsten Gare S.N.C.F. zu folgen.

Der 20km weit weg, und ein ein Güterbahnhof ist.

Garmin kann NIX!

Und der richtige Bahnhof in St.Brieuc ist nochmal 60km weit weg.

(Irgendwie drollig, daß du in einer Region, die sich zum Ökotourismus bekennt, ohne Auto völlig am Allerwertesten bist, denn Radfahren in der Bretagne ist nicht einmal mit dem Ebike toll)

Über ein paar Straßen, die nur Garmin kennt, gelangte ich dann dort hin.

Die ältliche Dame im Bahnhof erklärte mir, sie habe nur noch den  TGV im Angebot, in diesen dürfe ich aber das Rad nur in der Tasche mitnehmen, die ich unglücklicherweise just in diesem Augenblick nicht dabei hatte. Dann erklärte sie allerdings, da ich ja offensichtlich Teilnehmer des PBP sei, sie werde, nur heute, eine Ausnahme für mich machen. Diese hatte auch für das Sicherheitspersonal- nach Rücksprache mit ihr- bis Paris Bestand, auch für zwei Inder, mit denen ich akkurat einen Türabschnitt blockierte. Der Schaffner verdrehte die Augen, sagte aber nix. Interessant war, wie ausgezeichnet der Franzose plötzlich Englisch spricht, wenn es gilt, dich anzumotzen, verglichen mit Situationen, wo du um Hilfe bittest. (Vielen Dank an den Juppie, der schon eine Viertelstunde vor Montparnasse zwischen unseren Rädern stehen mußte, und mit seiner Designerjeans meine Kette auf Neuwert poliert hat)

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die beiden Jungs haben sich höchstens gewundert, daß sie nicht auf dem Dach fahren mußten

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Andere Teilnehmer im Zug hatten das unglaubliche Glück, daß Kümmerer zufällig Dutzende von Fahrradtaschen auf ihrem LKW in Loudeac liegen hatten, die sie großzügig für 100€/Stück abtraten und dann aus reiner Menschlichkeit die Leute mit dem leeren Laster zum Bahnhof karrten.

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Ich hatte mir ja ausgerechnet, daß die Profis der Photofirma MAINDRU im Ziel noch Bilder schießen, dem war nicht so, aber so rollte ich noch über die Induktionsschleife, was mir die unglaubliche Zielzeit von 48:00 und etliche vorschnelle Glückwünsche einbrachte, bevor ich erklärte, daß ich in Loudeac ausgestiegen war. Sei´s drum. Größere Namen als ich sind dieses Mal rausgeflogen…

Der Wind hatte übrigens irgendwann fast erwartungsgemäß gedreht…

So mutierte ich dann zum WhatsAppMotivator, besorgten Erwarter, Zielknutscher, Erstfotografen und letztlich auch „Fahrer des Winnebago“ (Zitat: BluesBrothers) in Richtung Heimat.

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Dr.Stefan Bartsch, der „Bergfloh“ 70:24:51

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Heiner Spannuth 77:21:51

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Lisa Vollrath 86:02.04

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Detlef und Mark haben es nur bis Brest geschafft, aber immerhin schon weiter als ich, wofür gerade Detlef mit dem Liegerad Riesenrespekt gebührt. Und merke:

Man muß sich für PBP zweimal qualifizieren. Das haben alle geschafft, die starten durften.

Und ich?

Wäre geil gewesen, das Ding noch mal zu rocken.

Sollte nicht sein.

Aber ich war dabei, und habe es genossen. Danke, ACP!

Und ich habe echt viel Geld für Bondali gesammelt.

Also war es ein Erfolg!

Ihr dürft aber gerne noch nachlegen!!!

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Ich bin zufrieden

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Und davon mal abgesehen:

Verdoppelst du das Gewicht des Rades

Reduzierst du dein Trainingsvolumen um die Hälfte

und alterst parallel 12 Jahre

Dann ist das kein tragfähiges Konzept!

 

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