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2015 Euro R1 – Mit dem Tandem nach Kaliningrad – äh, Warschau

Neues Jahr, neues Fahrrad, neue Elektronik und zu zweit….

ob dat man gut geht???

Zu dieser Etappe gibt es wenig zu erzählen, außer, daß wir es nicht erwarten konnten, endlich loszufahren, und deshalb nachmittags um 16:00, praktisch vom Arbeitsplatz weg losradelten ans Steinhuder Meer, wo wir ein gekühltes Urlaubsanfangsbier nahmen, ein tolles Foto machten und dann einige km weiter in Neustadt auf einer Party dem ersten noch etliche Biere folgen ließen….

Tandem am Meer - gesehen von William Turner

Tandem am Meer – gesehen von William Turner

 

Am folgenden Morgen begann unsere Reise dann richtig:

Auf nach Polen!

Auf nach Polen!

Die Fahrt verlief Muttertagsangemessen vergleichsweise unspektakulär, glänzende Mercer mit behüteten Fahrern bedrängen und beschimpfen dich, wir waren glücklich, nun 3 Wochen was Neues ausprobieren zu dürfen, und erarbeiteten bei herrlichem Wetter Technik und Rhythmus für das Tandemfahren mit Anhänger.

Is ja immerhin ein 180kg Geschoß von 4m Länge.

Meinersen/Aller, Pizzabude

Meinersen/Aller, Pizzabude

Nachdem man diesmal im wunderbaren Marktkieker nicht in der Lage war, uns zu bedienen, und es bei Vattern an der Hauptstraße in Burgwedel auch eher eine Notlösung war, fanden wir hier einen ordentlichen Espresso und später eine recht nette Unterkunft im Brauhaus WEYHAUSEN, wo die Schwemme leider geschlossen und der Grieche um die Ecke eher eine Standardsituation war.

4000m vom VW Werk entfernt, ist halt alles etwas kostspieliger, wir hoffen nur, daß das Bier besser ist, als der Frühstückskaffee. Zum Glück gibt´s EDEKA…

Kaffee von der dicken Bäckersfrau

Kaffee von der dicken Bäckersfrau

Bei wieder tollem Maiwetter beabsichtigten wir, nördlich von MAGDEBURG an der A2 entlang die Elbe zu überqueren, und dann die Stadt auf dem Elberadweg zu passieren.Mit der Navigation hatte ich etwas Probleme:

Geländeeinlage

Geländeeinlage

Bei Herrenkrug scheint es ne Brücke zu geben, die Ausschilderung ist Scheiße und der Radfahrer landet permanent in benutzungspflichtigen Sackgassen. Erschöpft landeten wir des Abends mitten im Zentrum, allerdings blieb das Glück uns hold, denn 50m neben dem Studentenlokal, in dem wir uns mit einem kühlen Radeberger stärkten, gibt es ein unschlagbar preiswertes und gutes Hotel „Sleep & Go“.

Nach morgendlicher Stadtrundfahrt und dem obligatorischen Foto am Dom, welcher ja auch in der jüngsten deutschen Geschichte nochmals eine große Rolle spielte,

Gruppenfotto

Gruppenfotto

leckerem Espresso und Kuchen in Hundertwassers herrlicher grüner Zitadelle

bescherte uns die Streckenführung entlang der B 184 Richtung WITTENBERG mehr als

die ???

die ???

 

mein Bruder war nicht da,

mein Bruder war weit weg,

 aber nach etlichen Irritationen erreichten wir dann doch noch die Lutherstadt, wo der religiöse Kommerz regiert, aber Hoteliers dich nicht mehr weglassen, wenn sie noch Platz haben.

Das Brauhaus nebenan war auf:

luja, sog I !!!

luja, sog I !!!

 Die ersten Tage hinterlassen Spuren, stellenweise wird die Haut dünner, und der eine oder andere Muskel schmerzt, also beschließen wir, südlich der Elbe nach WÖRLITZ zu fahren, den Park zu erlatschen und anschließend an der Marina COSWIG zu zelten. Das war schön.

hier geht´s zum Park

untergezogen...

untergezogen…

zur ersten Nacht im Zelt Linsen....

zur ersten Nacht im Zelt Linsen….

Der Kapitän ist bockig

Der Kapitän ist bockig

„Nein, trotzdem, wir nehmen keine Anhalter mit!“

Die Vatertagstour war nicht so schlimm, wie befürchtet, weil sie auf der Route des Berlin 300er durch vergleichsweise viel Gegend führte, und wir mit wenig Ausflüglern Kontakt hatten. Lediglich als wir das Dörfchen DREILINDEN erreichten, an dem einst die Transitstrecke nach Berlin einmündete, gerieten wir im Eingang des Campingplatzes in eine Schlägerei, woraufhin wir aus Sicherheitsgründen ins Motel gingen.

Nach „Vatertag“ : Spuren der Väter

Womit nicht die Haufen von zerdepperten Flaschen auf den Berliner Radwegen gemeint sind.

Auf dieser Fahrt durch die Hauptstadt besuchten wir das Haus, in welchem mein Großvater Wolfram Rose lebte,

IMGP1733

Breisgauer Straße, Zehlendorf

 

durchquerten den Mittelpunkt der irgendwann mal geplanten „Achse Paris – Warschau“

Brandenburger Tor

Brandenburger Tor

passierten in der Nähe der Baustelle Stadtschloß die 1945 in Asche zerfallene Apotheke „Zum Weißen Schwan“, die über Generationen meinen Vorfahren mütterlicherseits gehörte, bis sie von Heinrich Rose veräußert wurde:

Alles weg...

Alles weg…

Aber der Name der Apotheke existiert noch, und man beruft sich in der Internetpräsenz auch auf die Verbindung zu den Namen meiner seinerzeit ganz großen Ahnen:

Nach einem netten Plausch mit einer noch lebenden Verwandten in Friedrichshagen, campierten wir auf dem Platz der Naturfreunde Erkner.

Feldkoch bei der Arbeit

Feldkoch bei der Arbeit

Den in der Innenstadt von Berlin gewöhnungsbedürftigen R 1 fanden wir nun wieder attraktiv und vor,

IMGP1763

mitten ins Nirgendwo

wir kriegten erstmal im Kombipaket gezeigt, was auf uns wartete:

Drei in Eins

Drei in Eins

Via

 

na klar, Strausberg

na klar, Strausberg

erreichten wir am frühen Abend endlich die Grenze:

Erschöpfungszustände erfordern Rehabilitation

schlaff...

schlaff…

Ortsbegehung

Ortsbegehung

Pierogi, die hiesigen Nudeln

Pierogi, die hiesigen Nudeln

Lateinstunde

Lateinstunde

Entlang der Netze, durch herrliche Auen erreichen wir OSIEK, wo wir in einem einfachen Hotel für Landarbeiter unterkommen, und mit deftiger Hausmannskost verpflegt werden.

Borschtsch

Borschtsch

Bier, Fleisch, Kartoffeln und das ewige Ei

Bier, Fleisch, Kartoffeln und das ewige Ei

10. Bagdad – Bromberg oder „Gewaschen is doch….!?“

Hier ist der Bagdad Artikel nochmal…

ansonsten sollte hier heute die Verbindung von den Verwandten mütterlicherseits zu denen väterlicherseits geknüpft werden, allein, ich stellte fest, daß die Adresse in BROMBERG verloren war, und sich kurzfristig nicht eruieren ließ.

Eine Suche aufs Blaue bei strömendem Regen fanden wir doof, aber stattdessen das Park Hotel Tryscyn.

Da ließen wir es uns wieder einmal für beschämend wenig Geld mit polnischen Spezialitäten richtig gutgehen.

Inspirierender Name

Inspirierender Name

gleich umgesetzt

gleich umgesetzt

Roulade, Rote Bete, Buchweizen

Roulade, Rote Bete, Buchweizen

Somit hatten wir den obligatorischen Regentag abgehakt.

In dem kleidungstechnisch problematischen Wechsel von greller Sonne und bösen Wolken, verbunden mit kaltem Wind folgten wir nun der Weichsel. Viel zu sagen gibt es nicht, Landschaft, Natur, herrliche Bausubstanz

Weichselniederung bei Kulm

Weichselniederung bei Kulm

Kulm, Rathaus

Kulm, Rathaus

Hier erinnerte ich dann endlich, daß ich vor 13 Jahren nicht in Kulm sondern in Schwetz, 12km weiter auf dem Campingplatz gelandet war, also blieben wir lieber am R1 und erreichten noch die Feste Graudenz.

Polenallergie 113

Graudenz, Stadttor

Jedermann sagt dir, daß man Marienburg einfach gesehen haben muß, also verließen wir den R1, welcher diese Stadt unerklärlicherweise über SZTUM östlich umgeht.

Wir folgten dem Flutgebiet des Nogat, schon ein Mündungsarm der Weichsel, ein riesiger Urwald

Reservat

Reservat

Holzhaus

Holzhaus

 

Der Campingplatz in MALBORK ist für Zeltbewohner indiskutabel. Fanden wir.

Polenallergie 131

Camping Malbork

Hauptstraße, Bahnhof, null Schatten.

gefiel uns da schon besser, weil nur geringfügig teurer, das Rad schlief in der Großgarage und der Blick von der Terrasse ist der Hammer:

Die Ordensburg

Die Ordensburg

Um diese riesige Festung, deren Besichtigung wir uns angesichts der Plastikschwertertourimittelalterhysterie sparten, zumal spätestens seit 1945 nur noch wenig Originales daran ist (ein erschütternder Umstand, der uns auf der ganzen Reise überall präsent war), drehten wir ´ne Runde mit dem braven Bianchi und fuhren dann zur nächsten Burg:

Die Etappe hat besonders Susanne etwas wehgetan, weil ich den R1 in ELBLAG verloren habe,

geplagt...

geplagt…

und da an der Küste lang isses irgendwie steigungsmäßig etwas unangepaßt. Aber schön!

auf und ab

auf und ab

In Frauenburg, am Fuße der gewaltigen Wehrkirche des Kopernikus

 

findet man einen winzigen Hafen, und in diesem Hafen ein Fischlokal, dessen Besitzer, ein sehr ruhiger, freundlicher Mann der so hervorragend Deutsch spricht, daß polnisch offenbar seine Zweitsprache ist.

Dieser Mann verkauft Fisch. Frischen Fisch. Aus dem frischen Haff.

Von der Fischsuppe, dem gebackenen Zander und dem Stückchen Aal zum Kosten werden wir ewig träumen.

Fischsuppe & Gerstenschorle

Fischsuppe & Gerstenschorle

Gebackener Zander

Gebackener Zander

Einzig die Mücken da, die gehen auf Kehle:

Mutanten

Mutanten

Na dann: Gute Nacht!

Na dann: Gute Nacht!

Die Kaliningradnummer findet ihr hier:

Eher amüsiert, weil die Genossen doch sehr an den Film Ninotschka mit der wundervollen Greta Garbo erinnerten, testeten wir des Abends die Agrotouristik Henrykowo:

Link

Da haben wir auch gelacht….

Im schönen Ort WORMDITT entdeckte ich die erste ernsthafte Panne der Reise:

Speichenbruch im Vorderrad

( da war noch irgendwas mit nem Platten am B.o.B., ner Pannenspraydose, die mir um die Ohren flog, irgendwie im einsetzenden Regen während der Hotelsuche und einer Susanne, die sich so über mich kaputtlachte, daß ich überhaupt nicht mehr wütend werden konnte, aber ich weiß nicht mal mehr, wo das war…  )

Eigentlich isses nich mehr weit....

Eigentlich isses nich mehr weit….

Im Ort gibt es auch ein Geschäft, das Speichen verkauft(und Waschmaschinen) aber keinen, der das kann.

Also mit halber Kraft weiter Richtung ALLENSTEIN, wo es einen gibt, der das kann. 100km…

Aber mit Hilfe eines freundlichen Autohauses finden wir in GUTTSTADT

Vinci Projekt

hier mit Grid Girl

hier mit Grid Girl

hervorragende Hilfe.

hervorragende Hilfe am Pfingstmontag

Ich habe in Frankreich mal über Pfingsten 4 Tage wegen Speichenbruchs verloren, hier waren es vielleicht 3 Stunden

Pause

Special Pause

Danach erreichten wir ohne Probleme zügig ALLENSTEIN, wo wir auf dem Weg zum Campingplatz und Hotel Pirat den nächsten Defekt feststellten: Schraube vom Tiefreiter rechts abgerissen. Nix gravierendes, aber blöd.

mein Gott....

mein Gott….

Einerlei, wir wußten ja schon aus Orneta, daß es in Allenstein Hilfe gibt, also bauten wir unser Haus auf

Haus am See

Haus am See

und nahmen das polnische Programm:

Fleisch, Kartoffeln, Buchweizen & Pierogi. Vorher Jurek

Fleisch, Kartoffeln, Buchweizen & Pierogi. Vorher Jurek

Polenallergie 222

und den 1.111,11km Wodka. Chapeau!

Allenstein besichtigen, war der Plan. Litt etwas unter meinem Wunsch, das Tandem reparieren zu lassen.

Hilfe gab es im Salon Rowerowy, Olsztyn

Mein erster Museumsbesuch.

Link

Aus Allenstein raus war erstmal Baustelle. 6km oder so. Teils 6-spurig und an der Stadtgrenze dann so:

friedlich, viele km

friedlich, viele km

sandig, 14km

sandig, 14km

Scheiße, 9km

Scheiße, 9km

sehr friedlich, sehr viele km

sehr friedlich, sehr viele km

Alle Facetten noch mal an einem Tag. Kurz vor dem Ziel Warschau mit seinen klasse Radwegen:

Minden, guck mal!

Minden, guck mal!

Aber vorher mußten wir noch einmal das Tandem wegsperren:

In PRASCHNITZ, der Heimat der Fahrradmarke „KROSS“

eben Übergröße

eben Übergröße

im Hotel Millennium

.

Noch einmal schlafen, vor der großen Stadt….

war nicht einfach, was zu finden.

Aber der Abend im Segelclub war auch nett.

Abendstimmung

Abendstimmung

und der Käpt´n plant schon sein´Snack

und der Käpt´n plant schon sein´Snack

Am nächsten Morgen ging es bei herrlichem Sonnenschein hinein:

Warschau

Warschau erreicht!!!

WARSZAWA

Jene unvergleichliche Stadt, die nach dem großen Krieg fast völlig eingeäschert lag,

liebevoll restauriert und neu aufgebaut,

Altstadt

Altstadt

ein faszinierendes Gemisch aus

Pariser Flair

Pariser Flair

Platte trifft Glas trifft Jugendstil

Stilleben

Stilleben

auch wenn es scheint, als könnte man in Polen keine geraden Wände…

schwungvoll...

schwungvoll…

und gegenüber unser letztes Hotel, das Polonia Palace, ein Erlebnis der besonderen Art,

altehrwürdig

überirdisch

Die unglaubliche Stadt, in der Susanne nach dreiwöchiger Odyssee endlich ihre ersehnten Pierogi mit Spinat bekommt, eine Mahlzeit mit in Polen sonst fiktivem Charakter… steht auf jeder Karte, gibt´s aber nirgends

Endlich! Da lacht se

Endlich! Da lacht se

eine faszinierende Stadt von eigenwilliger Schönheit, wo auch der Radler seinen roten Teppich bekommt

und der Hauptbahnhof verbuddelt

unterirdisch

unterirdisch

ist.

Alles überragt vom Kulturzentrum, jenem Ghostbusters Domizil, welches Väterchen Stalin nach dem Sieg über Nazideutschland schenkte,

„who do you call?“

Als Zeichen der ewigen Verbundenheit des polnischen Volkes und des real existierenden Sozialismus.

 

soviel dazu...

soviel dazu…

Ende

Ende

 Naja, über die Rückfahrt mit der Bahn hab ich ja schon erzählt.