Lórientale di Sarda

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Nach wochenlangen Überlegungen, was für eine Radreise ich im April machen würde, flatterte mir eine Email des A.R.I. ins Haus, worin ich zum Giro Sardegna eingeladen wurde.

Eine großangelegte Radsportwoche auf Sardinien, wo ich noch nie war, in deren Rahmen man innerhalb von 6 Tagen einen 200er/300er und 400er Brevet absolvieren konnte.

Zusätzlich verlockend war die Idee, in einer Reise die Alpen zweimal nacheinander zu überqueren.

Ein weiteres Novum war, mit dem Randonneur zu fahren, und ein absolutes Minimum an Gepäck zu transportieren, was eine entsprechende Logistik mit Wäsche und Verpflegung für ca. 4 Wochen erforderte.

Also begann ich am 12.April in Oberstdorf etwas verkatert, Rad zu fahren:

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Nach 7km Faxen schon dicke…

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Stimmt. KÖNNTE ich…

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Anschließen folgte ich dem Rhein aufwärts durch Graubünden über Lenzerheide ins Räthikon, nicht ohne über den komischen Schweizer Humor zu grienen.

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1453m, und noch nicht mal ein Paß!

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Am dritten Tag überwand ich mein erstes großes Ziel, eine endlose, langsame Plackerei in strahlender Sonne:

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Sonnencreme vergessen. Die Fresse brennt…

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Das Beste ist ja, daß dir, wenn du vom Julierpaß kommst, der Malojapaß quasi geschenkt wird, vorher kannste am See in der Sonne noch den Julierrotwein genießen und danach bretterste runter ins Engadin. Da hat mich auch keiner gekriegt….

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nich, daß das hier jetzt so doll wäre…

Nach einer Nacht am rauschenden Bach mit kulinarischen und geistigen Genüssen des Engadin

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Sinnesfest

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folgte ich dem Lago di Como, ließ Milano links liegen, und erreichte über Nerviano spät abends im Regen Vigevano. In der russisch geführten Unterkunft am Stadtrand gab es erhebliche Sprachprobleme und die Ludmilla war echt unfreundlich, als ich dann noch nach Essen fragte.

„Gut, no mangare. Birra?“

„SiSi!“

„Quattro birra, per favore!“

Erleichtert, fast anerkennend, lacht sie, holt mir 4 Moretti (die guten 660cl), das Eis ist gebrochen.Wenn´s kein Essen gibt, wird halt getrunken, das versteht der Russe…

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Am nächsten Morgen ist der Regen alle, feuchte Hitze treibt mir das Bier aus allen Poren, und während hinter mir die Alpen verblassen, erhebt sich vor mir schon der ligurische Appenin aus dem flimmernden Dunst,

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472m

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den passiere ich ohne sonderliche Probleme, ziemlich flotte Abfahrt, und schiffe mich noch am gleichen Abend von Genua aus nach Sardinien ein:

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Sei immer du selbst. Außer, du kannst Batman sein. Dann sei Batman!

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In Sardinien selbst habe ich zunächst erhebliche Probleme, den Startort zu erfragen und auch im Hotel ist man irgendwie irritiert, weil ich schon zwei Tage zu früh auflaufe. Insgesamt ne spaßige Nummer: die Organisatoren hatten zwei unterschiedlich klassifizierte Anlagen außerhalb der Saison gebucht, mit entsprechendem Deal, vermutlich. Die Anlagen waren aber im Winter komplett renoviert worden, weswegen die Verwaltung einen Zentralen Raum mit Wachen für die Fahrräder bereitstellte, und anordnete, daß alle Räder dort abzustellen seien, was verständlich, aber für die Exoten wie mich, die private Unterkünfte im Ort gebucht hatten, etwas unbequem, weil man plötzlich 3km Fußmarsch zum Rad hatte.

Also, letztlich war es so, daß die Veranstalter das auch gemerkt haben, und ich bekam ohne Aufpreis ein „Upgrade“ auf 5Sterne all in, wo der geringe Zusatzobulus, weil ich zu früh dort auflief, bei der Versorgung und dem Service gut angelegt war.

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beim Brevet viel trinken!

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Der Witz daran war, daß mein braver Prometheus jede Nacht in meinem Appartment schlafen durfte, denn ich war, wegen der frühen Ankunft, den Argusaugen des Kommitees entgangen, und bin dann auch immmer schlau durch den Lieferanteneingang…

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Aber interessant ist ja eigentlich, wie das war, innerhalb von 6 Tagen drei brevets zu fahren.

Sardinien an sich war schon mal klar ein Vorteil:

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der Himmel ist blau…

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Auf dem 200er lief es erst einmal locker an, die Italiener haben da eine andere Einstellung, wir waren noch nicht 10min unterwegs, da hielt das Ganze erstmal an einer Bar und es gab Espresso. Der einzige, den ich selbst bezahlt habe, die italienischen Kamerad/innen waren zunächst maximal zurückhaltend, bis ihnen dann auffiel, daß ich offenbar schon einmal auf einem Rennrad gesessen hatte und vor allem innerhalb von Ortschaften(auf dem Lande ist das auf der Insel nicht so schwierig) zwar nicht immer die Einbahnregelungen, aber den Track sehr präzise auf dem Schirm hatte. Das, und mein Rhythmus, bewegten Camilla und ihren Kollegen dazu, mich zu ihrem Teammitglied zu erklären.

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Offen gestanden, hatte ich auf dem 200er, „Costa Smeralda“ erhebliche Probleme mit der Akklimatisierung und bin eigentlich nur mithilfe des stummen, aber liebenswerten Romano  reingekommen. Ich war dermaßen platt, daß ich befürchtete, den 300er nicht zu überstehen, weil er nur 24h später begann.

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angefressen…

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So richtig gut ging das auch nicht los, bis ich mich daran erinnerte, daß meine Probleme ja immer am Anfang auftreten. Camilla und Paolo blieben jedenfalls ansagegetreu (für Randonneursverhältnisse) in meiner Nähe, (Was in etwa ein +/- von 50km ausmacht) und drolligerweise fanden meine Beine die Nummer nach so etwa 80km auch gut. Jedenfalls hingen wir später in einer Gruppe, die ich später aufgrund besserer Orientierung wieder verlor, und kachelten, nachdem wir das Mittelgebirge verlassen hatten, nach Norden, nicht ohne die obligatorischen Pausen mit Kaffee und Panini, bei denen ich inzwischen als Gastfahrer in der „einer zahlt für alle“ Geschichte mitlief.  So´n Garmin ist ganz praktisch….  am Ende hatte ich irgendwie nur noch den alten Romano an der Seite, der mit sehr skeptischem Gesichtsausdruck an meinem Arsch hing. Müde, konnte ich ihm auch nicht mehr adäquat die Kilometer bis zum Ziel ansagen, mir fiel die „15“ nicht ein…  Na, er hat ja gesehen, daß es stimmte, und wir haben uns im Ziel freundlich und respektvoll verabschiedet. (Der Mann ist 70, und fährt mir einfach weg….   wenn er will….  er mag aber Gesellschaft)

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TD während der Benutzung

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In der anschließenden 36stündigen Pause entwickelte ich eine Technik zum Austauschen von Speichen bei #tannus bereiften Laufrädern, aß gut, trank gut und genoß den herrlichen Sardischen Frühling.

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mal die „ambitionierten“ besuchen

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Dann ging es wieder los, und frühmorgens bretterten die Italiener los, was das Zeug hielt. Meine anfängliche Unsicherheit verschwand während der ersten paar Dutzend Kilometer, es zeigte sich, daß ich gut mithalten konnte: durch den 200er und 300er war der Körper noch völlig in diesem Essen/Trinken/Treten – Modus, sodaß die üblichen Anlaufprobleme entfielen.

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noch ein Stückchen…

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Anfangs fuhren wir die Orientale Sarda, die Küstenstraße nach Süden, um später im Hinterland eine Reihe von Pässen um die 1000m zu passieren, was wir vom Umkehrpunkt bei 200km dann andersherum nochmals taten, nur nachts.

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Romano

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herrliche Aussichten

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Unser „Team“ brach in dieser Nacht auseinander, weil Paolo dermaßen Tempo machte, daß er morgens um zwei völlig entkräftet war, sodaß ich die 18km Abfahrt zur Küste im Morgengrauen völlig allein genießen konnte. Heimwärts auf der Küstenstraße mußte ich ihn Kilometer um Kilometer abschirmen, damit er nicht im Halbschlaf in den Gegenverkehr rollte….

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…macht der Reiter „plumps“

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haben fertig

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Sei´s drum, auch der schönste Brevet hat ein Ende:

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da sind die Dinger!

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Zwei Tage später kämpfte ich mich schon wieder über den Appennin,

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heimwärts

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auf einer anderen Strecke

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Ich ließ MILANO wiederum links liegen, und wählte die Westseite des Lago di Garda zur Rückfahrt, weil ich da in der Steilküste schon imer mal fahren wollte. Dort entsteht seit Jahren ein Radweg…

Bis dieser in Äonen fertig sein wird eine völlige Kackidee…

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kühl…

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Von Riva di Garda den Fluß aufwärts Richtung TRIENT (dieses wiederum eine klasse Idee), BOZEN, und dann, weil man den mit dem Rad auch noch nicht hatte:

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Der Brennerpaß

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Auf den teils schwindelnden Trassen der alten Brennerbahn ungestört über die Alpen, das ist ein herrliches Stück, nur mittendrin etwas unübersichtlich, weil der Brenner Basistunnel gebaut wird.

Ab der Paßhöhe geht es dann leider auf der Landstraße weiter, wer durchhält wird aber nach INNSBRUCK hinein mit einer rasenden Abfahrt durch dichten Tann belohnt.

Danach gegen heftigen Fön Innabwärts, noch ein letztes Mal brutal bergauf zum Achernsee

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Wetter wird unangenehm

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Nach einer Nacht in LENGGRIES bin ich noch weiter bis Bad TÖLZ (möchte in beiden Orten nicht tot übern Zaun hängen…), da goß es dann RICHTIG.

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aus is! Reicht auch.
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