tabula-raser.de » 999 miglia – It´s not about the bike

999 miglia – It´s not about the bike

Die 999Meilen von Rom – Teil 2 L´Italia del Grand Tour

.

Radler, Forum

.

Drei Tage vor dem Beginn erschien ich mit meinem Rad bereits in der „erstaunlichsten Stadt des Universums“

.

Club Le Mirage, eine Oase der Ruhe

.

Akklimatisieren war angesagt, organisieren, Start und Zieletappe schon mal erkunden, nix dem Zufall überlassen.

.

Die Organisation war vielversprechend, Valter Ballarini, Luca Bonechi und alle anderen kümmerten sich um alles und hatten auch noch Zeit individuelle Problemchen einzelner zu lösen, was alles in italienisch entspannter Atmosphäre stattfand.

.

Es ist alles drin

.

Ein großzügiges Paket mit Straßenbuch, Startnummern, Verpflegungsgutscheinen der CONAD Supermarkt Gruppe (wofür auch immer ein Randonneur nach 600km ein halbes Pfund Mozzarella brauchen mag),

.

Frecce – Pfeile

.

die Beschilderung war schon zwei Tage vorher angebracht, es brauchte eigentlich nur noch loszugehen.

.

Start 168h Gruppe

.

Am Sonnabend schickten wir zunächst mal die „langsamen“ auf die Strecke, und zwar so:

Einer der „Angels“ setzte sich auf sein Mountainbike, blies rythmisch in eine Trillerpfeife und führte die brav folgende Gruppe über die Gottweißwievielspurige Kreuzung am Circus Maximus auf die Straße. In Deutschland hätte diese Nummer Dutzende Verletzte zur Folge gehabt, hier passierte – nichts…

.

in gleichnamiger Kneipe

.

Danach gingen wir erstmal was trinken, etwas beklommen überlegten wir, daß wir in Anbetracht der ungeheuren Hitze wohl mit dem Nachtstart besser dran gewesen wären….

.

Schwitze schon beim Warten

.

Sei´s drum, am nächsten Tag ließen sie im Circus Maximus in Rom die Löwen los. Ich war, trotz der schon frühmorgens zermürbenden Hitze gut drauf und konzentriert, trank bereits jetzt schlückchenweise und freute mich auf den ersten Metern über die unglaublichen Waden eines Italieners, die wie bei Centurio Gaius Aerobus aus dessen Caligae Ecce! ragten. (Tut mir leid, der ist für Radler mit Latinum :-D)

Gemächlich fuhren wir los, und als wir die antike Via Appia erreichten, wurde es erst schwer, und dann noch einmal italienisch:

.

„Was habt ihr Belgier denn? Ihr steht doch auf Pavets!?“ – keiner lacht…

.

jeder kriegt einen Espresso umsonst.

.

Via Appia Antica

.

Und dann war ich auch schon allein…   …so hatte ich es ja erwartet. Ich atmete Feuer ein und aus, trank alle paar Minuten ein paar Schlucke und freute mich auf die nächsten Tage. In CASTELGANDOLFO verließen wir endlich die ätzende Ausfallstraße, aber ich mußte im Ort gleich erstmal schieben, weil es so steil ist.

Aber auch schön:

.

leicht angezeichnet

.

An der Kreuzung oberhalb des Ortes nahm ich einen Espresso doppio, saugte eine anderthalb Liter Flasche Wasser leer und quatschte das erste mal kurz mit Paul, dem Klappradfahrer aus London. Der war schon recht kurz angebunden…  einen anderen Briten mit verkantetem Schaltwerk hatte ich auch schon überholt…                           Mich fröstelte leicht im Wind…

Dann ging es weiter durch diese mörderische Hitze. Ich trank systematisch, allein, das Essen wollte mir nicht so recht gelingen, sogar die salzigen Nüßlein wurden immer mehr im Mund…

.

puuuuh….

.

In sengender Hitze erreichte ich die erste Kontrolle, leicht schwindlig und frierend stakste ich auf die Kontrolle zu rief noch „Gruppetto“ (wieder lachte keiner) und kriegte meinen Stempel.

.

Die zwei sind schon raus…

.

Während ich schon wieder gierig eineinhalb Liter Wasser aufsaugte (schaff ich sonst nicht mal mit Bier!), berichtete der Philippinische Blauhelm, daß ihn ein Italiener angesprochen habe, diese komischen Schlingerbewgungen mache er, und nicht sein Rad. Auch der Italiener berichtete von Schwindel und Kältegefühl. Die beiden wollten zurück nach Rom…

Irgendwann kapierte ich dann, daß ich auf dem Zettel der Kontrolleure schon auf der Rückseite aufgeführt war, aber der Plan war ja, auf jeden Fall zu fahren, so ging es dann auf Abschnitt 2, ein langes Flachstück und dann noch einen netten Anstieg.

.

TD während der Benutzung

.

Aber erstmal stieß ich wieder einmal auf Paul, der seine Kette mit meinem Werkzeug reparierte, (seine Lampe hatten wir schon in ANAGNI instandgesetzt) und erklärte, ihm gingen nun allmählich die Ausreden fürs Anhalten aus. Wir haben uns an seiner nächsten Rast nochmals gesehen (ich hatte nochmal Espresso und ne große Flasche Wasser gehabt, da musser vorbei sein…), da sagte er nur resigniert:“Warte nicht auf mich!“, hab ich auch nicht, mir war viel zu kalt zum Rumstehen, den Berg hoch schoß der Schweiß an mir runter, wie aus Eimern

.

schwer gezeichnet

.

es strömt

.

In VALLECORSA torkelte ich auf den Marktplatz, fragte nach Wasser und dem Weg und der kanadische Enkel irgendwelcher Dörfler übersetzte für mich. Sie telefonierten rum, besorgten Essen und ein Bett in welches sie mich steckten, und ich konnte mich darin die ganze Nacht ruhelos herumwälzen.

.

schnelles Frühstück

.

Morgens auf dem Weg zum Passo della Quercia del Monaco mußte ich schon wieder anhalten, Schwindel erfaßte mich, oben mußte ich erstmal ne halbe Stunde sitzen, bis ich mich in die Abfahrt traute.

.

Die war geil.

.

jetzt .geht´s. ab.

.

Kontrolle lange weg, statt Stempel Bon geholt

.

In SPERLONGA dacht ich mir dann noch: jetzt geht´s ja erstmal an der Küste lang, kühlender Wind und so…

.

Feuermann tanzt über die Felder…

.

In der glühenden Hitze kam mir Storms Regentrude in den Sinn, über flirrenden Asphalt quälte ich mich bis GAETA, wo ich endlich einsah, daß das hier nix würde, denn RICHTIGE Berge hatten wir ja noch garnicht gesehen und mir war die ganze Zeit kalt, kotzig und schwindelig.

Noch immer nicht richtig überzeugt, schaute ich mal bei den Unterkunftsheuschrecken im net.

Als erstes fiel mir das B&B „Volver“ ins Auge.

Volver ist spanisch und bedeutet :“umkehren“.

Das hab ich dann auch gemacht.

.

burratina con rucola

.

filetto di manzo

.

panna cotta caramel e grappa barrique

.

Wie sagte Paul so schön:

„Also, wie auch immer das hier für mich ausgeht, auf jeden Fall ist es eine Woche Italien.“

EPILOG

Ich hab mich zurückgemeldet und genieße nun die Ruhe im Club Mirage, dem Ziel.

.

beerhydrating

.

Ein hundemüder, verdreckter Randonneur stakst mit seiner Urkunde aus der Kontrolle, stutzt, geht zu meinem Rad und betrachtet es lange.

Es ist halt ein Blickfang, mit der roten Rohloff, dem SON und den roten TANNUS.

Und technisch einen 1000Meilen brevet durchaus gewachsen.

Nein, am Rad lag es nicht. Bestimmt nicht.

.