Und am Anfang…

Irgendwann im Sommer 1970:

Mäxchen hatte zum 5. Geburtstag sein erstes Fahrrad, das legendäre „Rixe“ bekommen und der Vater tat alles um seinem Stammhalter, dem die Strampelei äußerst suspekt war, dieses Drahtgestell schmackhaft zu machen, Wochen ging das schon so, jeden Tag übte ich wackelig auf dem Bürgersteig der Steinberger Straße am stützenden Arm des sorgenden Pädagogen, der mir Radfahren wie Latein zu vermitteln suchte: bimsen ,anbrüllen, bimsen…

Heute nun wollte mein Vater mich richtig austricksen:

„Paß mal auf, „Müller“, jetzt steigst du auf, ich halte dich,und fährst bis zu „Eis- Mund“, so schnell du kannst. Aber wirklich so schnell du kannst!“

In der Hoffnung, dann in Ruhe gelassen zu werden, trat ich ergeben in die Pedale, volle Pulle die Steinberger Straße entlang, während „Bucke“ mich anfeuerte, und siehe, der Wind pfiff mir um die Ohren, ich flog nur so dahin, die Hand meines Vaters spürte ich nicht mehr, hörte ihn nicht mehr rufen, alles war auf einmal  so….FREI…

Bei Mund schrie ich: “soll ich jetzt umdrehen?“  keine Antwort… etwas wacklig fuhr ich eine Rechtskurve, hielt an, ohne umzufallen, und blickte mich um, mein Vater stiefelte in einiger Entfernung brüllend, natürlich, aber vor Stolz, auf mich zu. In dem Moment, als ich schnell genug war, um das Gleichgewicht zu halten, hatte er einfach losgelassen und war stehengeblieben.

Und ich fuhr allein und frei davon.

Es konnte losgehen…

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