Eine Geistergeschichte

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  • Beitrags-Kategorie:Wo ist Mäxx?

Morgens um acht, der dritte Tag bricht an, und ich habe verloren. Das Ziel unter 70h zu kommen, hat Uwe offensichtlich aufgegeben und mir das auch deutlich zu verstehen gegeben.

Müde quäle ich mich den nächsten Hang hoch, wenigstens ist es nun hell, nachdem ich heute früh mich fast zu den beiden anderen Toten dieses Rennens gesellt hätte.

Ein Mann rannte auf die Straße und ich wich aus Reflex in den Gegenverkehr aus, als er sich wieder in Luft auflöste: eine Halluzination

Ich weiß, ich schaffe es nach Paris, aber mein selbstgestecktes Ziel ist futsch.

Neben mir fährt nun ein komischer kleiner Mann, Zauselbart, Zopf, wie ein Waldschrat in Radlerklamotten mutet er an. Ich spreche ihn an, er reagiert nicht, beobachtet mich nur, am nächsten Hang fahr ich weg, gleichwohl ist er bald wieder an meiner Seite. Den nächsten Hang will ich ihn hochfahren, er lässt abreißen aber ruft: „woats! “ ich warte, bald noch mal das gleiche Spiel, wieder fordert er mich auf zu warten. Wer ist das? Was will er nur? Beharrlich und wortlos bleibt er an meiner Seite, bis wir in die Ebene kommen. Ein Franzose ist nun auch noch bei uns, das merkwürdige Männchen spannt sich vor uns und tritt an. Ssssst,ssssst, sssst, klingen seine Reifen auf dem rauen Asphalt, wir machen uns klein und folgen ihm. Dann geht der Franzose vor, irre, eine Eisenbahn, und ich bin Lance. Das Männchen fährt für mich, wieso auch immer, immer wieder geht er vor und Mäxx kann knapp unterhalb der Schmerzgrenze mithalten.

Irgendwann nehmen die beiden raus und ich erkenne, dass ich nun Danke sagen sollte, springe vor und trete an. Ich muß warten, beim zweiten Antritt folgen sie mir.

Ich trete was ich kann, egal, 25h hab ich noch, ich schaffs auf jeden Fall, aber nun muß Farbe bekannt werden. Bald ist mein wunderlicher Freund wieder an meiner Seite, wir wechseln wortlos in der Führungsarbeit und rasen nach DREUX, dem vorletzten Kontrollpunkt.

Warum tut er das? Weiß er von meinem Problem? Hat Uwe ihn vielleicht bezahlt?

Er sagt nichts, fährt nur wie der Leibhaftige selbst und reißt mich mit.

In Dreux stakse ich zu den Kontrolleuren, alle klatschen und dann bin ich wieder draußen. Auf einmal ist mein stummer Freund wieder da, drückt mir die Hand, lächelt und murmelt etwas. Dann ist er in der Menge verschwunden …

Uwe ist völlig aus dem Häuschen: „Junge “ brüllt er ein- ums andere Mal, „Junge, nun hast du noch dreieinhalb Stunden für 65km. Das schaffst du! “

Suchend blicke ich mich um, das Männchen ist fort …

Seltsam? Aber so ist es gewesen.

Während ich dies niederschreibe geht draussen ein schweres Gewitter hernieder