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Ein randonneur mon dieux (4)

Ein Randonneur mon dieux findet, daß PBP nicht der einzige Grund ist,

mit Baguette...

mit Baguette…

 

Baguette zu lieben, denn es hat den echten Geschmack von:

.... pain ....

…. pain ….

Korsika – eine Radlerhommage an Asterix

Land der Vendetta

allgegenwärtig

 

Um es gleich vorweg zu sagen:

Wenn man die Insel Korsika bereisen will, ist es unbedingt erforderlich, für Mobilität zu sorgen, sei es mit Mietwagen vor Ort (teuer), dem eigenen PKW (langwierig und anstrengend) oder der Konsequenz, jeden, aber auch jeden Meter mit dem Rad zurückzulegen. (mein Favorit…)

Zu Fuß von der Fähre kommend, erfuhren wir, daß es Linienbusse nicht gibt, Taxi teuer sei, weshalb wir zum Hotel in 25km Entfernung nur per pedes oder Daumen kommen sollten. Ein auf der Insel lebender Kanake (so nennen sich die Einwohner Neukaledoniens(frz.) selbst) half. Er fuhr uns zum Hotel, und vor allem: er sprach englisch. Von selbst!

Ansonsten bleiben dir nämlich auf Korsika, wie auch sonst in Frankreich, wenn du der Sprache nicht mächtig bist, viele Türen verschlossen. (Meiner Erfahrung nach kein Deutschenhaß, die behandeln ALLE Ausländer so)

wenn zu ist, ist gesch(l)ossen

wenn zu ist, ist gesch(l)ossen

 

Nachdem wir in einer miesen Spelunke Massilias bei Wein und Wurst

"Reseda, bring Wein und Wurst, aber nicht von dem Zeug für die Gäste!"

“Reseda, bring Wein und Wurst, aber nicht von dem Zeug für die Gäste!” ( Panschnix)

ein teures Schiff für die Überfahrt organisiert hatten,

"Einverstanden mit dem Preis. Aber sie brauchen auch Gold für das Leben an Bord (Enternix)

“Einverstanden mit dem Preis. Aber sie brauchen auch Gold für das Leben an Bord “(Enternix)

schifften wir uns in der Dämmerung ein, zu dieser Insel,

"statt entern entfernen...." (Enternix)

“statt entern entfernen….” (Enternix)

die von befestigten Römerlagern umgeben ist,

hier : Vacuum

hier : Vacuum

und, wie auch Napoleon Bonaparte behauptete, diesen ganz besonderen Duft hat,

"Dieser hauchzarte Duft nach Thymian und Mandeln, Feigen und Kastanien... und dieser Hauch von Kiefer, diese leichte Andeutung von Beifuß, diese Ahnungvon Rosmarin und Lavendel... ach meine Freunde, dieser Duft!

“Dieser hauchzarte Duft nach Thymian und Mandeln, Feigen und Kastanien… und dieser Hauch von Kiefer, diese leichte Andeutung von Beifuß, diese Ahnungvon Rosmarin und Lavendel… ach meine Freunde, dieser Duft!” (Osolemirnix)

Das mit dem Duft unterschreibe ich, und schon deshalb sollte man Korsika erradeln oder erwandern, wobei letzteres so seine Schwierigkeiten birgt:

"Du bist ja so blöd! Wir müssen doch zuerst mal den Weg zurück finden!" "Wir fassen uns an den Händen, Kinder!"

“Du bist ja so blöd! Wir müssen doch zuerst mal den Weg zurück finden!”
“Wir fassen uns an den Händen, Kinder!” (Studicus)

 

"Eine Römerstraße! Ein Königreich für eine Römerstraße!"

“Eine Römerstraße! Ein Königreich für eine Römerstraße!”

 

Nachdem der korsische Fuhrmann uns im Ort abgeliefert hatte,

"Fast neu.... Dieses Chassis! Die Karosserie! Das ist das Geschäft eures Lebens!"

“Fast neu…. Dieses Chassis! Die Karosserie! Das ist das Geschäft eures Lebens!”

wurde erst einmal für Mobilität gesorgt. In der Tat habe ich noch nie auf französisch ein Rad gemietet, aber es klappte. Abgesehen davon, daß ich auch noch nie ein so dreckiges Rad gemietet habe, war der Hobel, Ein LaPierre Slope Alu mit Shimano Sora technisch i.O. und hat mir gute Dienste geleistet.

Wir haben auch eine historische Stätte aus prähistorischer Zeit erwandert,

Menhir, Filitosa

Menhir, Filitosa

denn Hinkelsteine wollte ich sehen. Doof, daß sie all die anderen Stellen in der Umgebung nicht ausgeschildert haben.

Trotz fantastischer Strände schon 20m vor der Zimmertür

"Riecht nur diese Wasser! Schnuppert diesen Duft von Langusten, Seeigeln und Heuschreckenkrebsen! ... Riecht nur diesen Sand!" (Osolemirnix)

“Riecht nur diese Wasser! Schnuppert diesen Duft von Langusten, Seeigeln und Heuschreckenkrebsen! … Riecht nur diesen Sand!” (Osolemirnix)

 

trieb die Neugier des Randonneurs, was wohl hinter der nächsten Kurve sei, mich fast täglich ins Hinterland, was schnell zeigte, daß Korsika auch nix für ungeübte Radler ist. Die Temperaturen von    33° C gepaart mit einem trügerisch kühlenden Seewind und der Umstand, daß man aufgrund der federartigen Struktur der Insel einen Bergrücken nach dem anderen abklappert. Ich habe bei einer gezielten Tour über 3 Pässe in der Umgebung 1240hm gemacht, am folgenden Tag einmal um die Bucht herum und zurück nur 80hm weniger.

Die folgende Rundfahrt soll nur ein Beispiel bieten, daß man auf Korsika auch mit dem Rennrad phantastische Strecken fahren kann, es muß nicht das Fully sein:

absolut einsam und Rennradtauglich

absolut einsam und Rennradtauglich

 

beginnt die Fahrt durch nicht mehr ganz so erfrischende 28°, ich bin viel zu spät los, weil ich erst Siesta halten mußte. Sonst wäre ich nämlich vor dem Schlafengehen nicht mehr dazu gekommen…

Korkeichenhain

Korkeichenhain

Auf winzigen Sträßchen in die typischen korsischen Dörfchen des steinigen Hinterlandes

Sollocaro

Sollocaro

 

die 4 Alten sind wohl grad in Aleria

die 4 Alten sind wohl grad in Aleria

 

... die neue Haupstraße nach Aleria, bisherige Bauzeit: 3 Jahre

.”.. die neue Haupstraße nach Aleria, bisherige Bauzeit: 3 Jahre”

 

oder wohnen einer der vielen Familienstreitigkeiten bei….

 

"klack!" .... "klack!"

“klack!” …. “klack!”

 

Über den Col de Celaccia und den Col de Tega fuhr ich durch unglaubliches Licht und bizarre Aussichten

 

"wir haben nur Angst, daß uns der Himmel auf den Kopf fällt"

“wir haben nur Angst, daß uns der Himmel auf den Kopf fällt”

bis auf den Col de Eustachiu, wo der Himmel offenbar genau Letzeres vorhat, und zwar innerhalb eines “Demis”:

Ein Demis ist etwa eine drittel Bierlänge...

Ein Demis ist etwa eine drittel Bierlänge…

 

wobei sich der geplante Rückweg blöderweise als Staubstraße entpuppte, was 30km Umweg zur Folge hatte,

nix für Slicks

nix für 23mm Rennreifen

 

mit nem Gewitter im Rücken auf über 1000m, den jetzt kam dann  noch der Col du Tana, dann ging es 5- 600m tiefer und dann wieder 450m rauf….  nach ihnen, Herr Obelix!

Aber:

"aber meine Freunde, seht doch dieses Licht! (Mäxx)

“siehst du dieses Licht?!”  (James Brown)

 

"hast du es denn nicht gesehen?"

“hast du es denn nicht gesehen?” (James Brown)

 

Vorbei an

gezähmten Wildschweinen

gezähmten Wildschweinen

 

 

und ungezähmten Hausschweinen

und ungezähmten Hausschweinen

rettete ich mich in einer traumhaften Abfahrt wieder in die Macchia, um zu sehen,

Motel

Motel

 

ob sich hinter einem der Motels vielleicht ein Nachfahre der Sippe von Azurix versteckt, wegen der Geschichte mit dem hinkenden Esel. Oder mit dem Mädchen aus der Sippe von Psychotherapix. So genau weiß das eigentlich keiner mehr. Auf jeden Fall ist die Sache ungeheuer ernst….

5h30, 113 km, 2690hm

Man kann sich auf Korsika mit dem Rad schwer beschäftigen, ohne weiter als 40km vom Standort entfernt zu sein. Und dann baden gehen.

Da bau ich drauf auf.

Denn es ist traumhaft schön dort, und dieses ständige Radebrechen, um Informationen ringen, und es doch immer wieder hinkriegen, das kam meiner Vorstellung von Reisen näher, als das Meiste, was ich in den letzten Jahren gemacht hab. Korsika ist was für Leute, die echt ihre Ruhe haben wollen.

Jedenfalls, wenn in Frankreich keine Sommerferien sind.

“Wie immer liefert die Rückkehr … … auch diesmal den Anlaß für ein Gelage unter den Sternen…”

nicht von Verleihnix

nicht von Verleihnix

 

 

und das Wildschwein nicht aus Mitgefühl

und das Wildschwein nicht aus Mitgefühl

“Bei näherem Hinsehen kann man feststellen, daß jede ihrer Expeditionen eine Bereicherung bringt, da sich die Reisenden jedesmal einige der angenehmsten Bräuche des Gastlandes zu Eigen machen:”

zzzzzz...

zzzzzz…

Deutscher Schilderwald….

 

Heute am Kreisel Herminenstraße:

 

Radfahrer absteigen!

Radfahrer absteigen!

Hab ich gemacht.

und jetze?

und jetze?

 

nix passiert….

 

 

Brennen im Schritt

Du bist ein echter Radfahrer, wenn…

 

...unangenehm...

…unangenehm…

 

du deswegen noch NIE beim Arzt warst.

“Ah, long vehikel, ja?”

Ein herrlicher Morgen auf dem Weg zum Kaiser:

Kaiserwetter

Kaiserwetter

Ich kurbele munter das Reiserad durch die 3. Kehre, da schließt ein Rennradfahrer zu mir auf, teure Klamotten in grellen Farben, teures Rad.

Anerkennend schürzt er die Lippen, taxiert nochmal das Gespann und mich, “Daumen hoch”….

dann “Huh!!!” stößt er dreimal hart die Luft aus, und versucht, sich nach oben abzusetzen….

vielleicht 50 Meter hinter ihm erreiche ich den Parkplatz….

rolle wieder runter…

zum 3. Mal heute der Anstieg…

gleich oben...

gleich oben…

 

oben auf der Plattform steht er immer noch, stolz wie Bolle, macht Selfies….

ich lächle ihm zu…

drehe gleich wieder ab…

bergab ist das doof...

bergab ist das doof…

nicht, daß der noch in den Anhänger kuckt…

Max & Moritz, diese beiden….

traf ich gestern auf dem Radweg von Todenmann nach Bückeburg, im Nirgendwo

Max & Moritz

Max & Moritz

Sie saßen irgendwie am Straßenrand rum, ich fing diesen suchenden Blick auf, und fragte, ob sie Hilfe brauchen könnten.

Konnten sie.

Sie waren gerade dabei, einen Bremszug auszubauen, um einen gerissenen Schaltzug zu ersetzen,

sowas hab ich natürlich auch nicht immer dabei, und die rettende Lüsterklemme diesmal auch nicht.

Das Thema “Prioritäten” hab ich mal ausgelassen….  aber dattat nich funzt, konntich ihnen sagen.

So entstand dann die Idee, daß ich schon mal nach Bückeburg reinradeln und ne Klemme besorgen würde, sie sollten hinterherkommen, die Erklärung, daß sie sich auf dem letzten mickerigen Anstieg vor der  Norddeutschen Tiefebene befänden, stach dann. Die Jungs haben nämlich heut abend ne Verabredung in Hamburg, und wollten noch soviel wie möglich schaffen.

Treffpunkt: Le Bistro

Die Reparatur war dann eigentlich nur eine Notlösung:

hat fertig...

hat fertig…

Der Schaltzug war nicht klassisch gerissen, sondern völlig vergammelt und zerschlissen, das eigentliche Problem bestand darin, daß sein Umwerfer vorn eine Vorspannung hat, die immer die Kette aufs kleine Blatt drückt, so konnte er nicht gut fahren. Letztlich half auch hier die Lüsterklemme:

rührt sich nicht

rührt sich nicht mehr…

So hat man mit dem mittleren Blatt die gesamte Bandbreite der Kassette, und man kann weiterradeln bis man einen Radhändler findet, der den Zug tauscht. Is natürlich nicht super,

aber auch Uwe fand: “Das übt.”

Das ganze Geraffel

Das ganze Geraffel

 

Irgendwie hielten die Jungs nichts von unserer (Uwe war ja  auch da) Idee, daß sie als Max & Moritz eigentlich über Wiedensahl fahren müßten, aber ihre Geschichte, die sie dann erzählten fand ich gut:

Die zwei wollen mit dem Rad nach Indien.

Die Eltern sagen: “Unterstützen wir. Aber beweist erstmal, daß ihr ne Radtour machen könnt. Wie wär`s zum Familienurlaub von Frankfurt/Main nach Sylt?”

Naja, und dann sind die eben los. Mit dreckigen, vergurkten Rädern, Nylonsatteltaschen mit Müllsäcken drum, keine Ahnung von der vor ihnen liegenden Topographie, aber jeder Menge Abenteuerlust und Bock. Und weil jeder nur n´”Grünen” mitgekriegt hat , motiviert zum wild Zelten und sparen, wo´s geht.

Ich denke, daß die zwei alles richtig machen.

Und eigentlich bin ich ganz froh, daß meine Radreisen nicht mehr ganz so aussehen, aber eigentlich auch ein bißchen wehmütig….

Ich würde mich freuen, mal eines Tages euren Blog zu lesen.

Viel Glück, Jungs!